Schwangerschaft und Geburt bei Frauen mit Filum-Erkrankung, Arnold-Chiari I und idiopathischer Syringomyelie

Pregnancy and childbirth in Arnold-Chiari I

Frauen, bei denen eine Filum-Krankheit, ein Arnold-Chiari-Syndrom Typ I oder eine idiopathische Syringomyelie diagnostiziert wurde, stellen uns häufig Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Anästhesie.

Diese neurologischen und neurochirurgischen Erkrankungen können bei Patientinnen und ihren Ärztinnen und Ärzten Unsicherheiten auslösen – besonders wenn es darum geht, mögliche Risiken in der Schwangerschaft einzuschätzen, die geeignete Geburtsart zu wählen oder die richtige Narkosemethode zu finden.

Schwangerschaft bei Filum-Krankheit, Arnold-Chiari I und Syringomyelie

Frauen mit diesen Diagnosen sollten sich vor einer Schwangerschaft ärztlich beraten lassen, um abzuklären, ob vor der Empfängnis ein neurochirurgischer Eingriff sinnvoll ist.

Während der Schwangerschaft ist eine enge Begleitung durch ein eingespieltes Team aus Fachleuten wichtig: Gynäkologie, Anästhesiologie, Neurochirurgie und Neurologie sollten gemeinsam einen individuellen Betreuungsplan erstellen, der sowohl das Wohl der Mutter als auch das des Kindes im Blick hat.

Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung für alle Patientinnen – weder zur Geburtsart noch zur Anästhesie. Jede Situation muss individuell beurteilt werden, unter Berücksichtigung des klinischen Zustands, der neurochirurgischen Vorgeschichte und der anatomischen Gegebenheiten im Rückenmarkbereich.

Neurologische Risiken während Schwangerschaft und Geburt

Beim Arnold-Chiari-Syndrom Typ I weisen Fachleute in der wissenschaftlichen Literatur darauf hin, dass Schwangerschaft und die körperlichen Veränderungen unter der Geburt – wie Schmerz und Schwankungen im Kreislauf – den Hirndruck beeinflussen können, besonders wenn gleichzeitig andere Erkrankungen vorliegen.

Bei der Filum-Krankheit und verwandten Beschwerden handelt es sich um Folgen einer Spinalisdysraphie (einer Fehlbildung des Rückenmarks, die während der Embryonalentwicklung entsteht). Die Fachliteratur hält fest, dass bei diesen Erkrankungen das Rückenmarksende (Conus medullaris) tiefer als üblich liegen kann, was das Verletzungsrisiko bei einer rückenmarksnahen Betäubung erhöht. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei Peridural- und Spinalanästhesien bei der Geburt oder bei einem Kaiserschnitt.

Peridural- und Spinalanästhesie bei Filum-Krankheit

Erkrankungen aus dem Kreis der Filum-Krankheit stellen für Anästhesistinnen und Anästhesisten, die schwangere Frauen betreuen, eine besondere Herausforderung dar – auch deshalb, weil diese Erkrankungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe vergleichsweise selten vorkommen, wie in mehreren Fachpublikationen beschrieben wird.

Aus diesem Grund arbeiten Geburtshelferinnen und -helfer in solchen Fällen regelmäßig eng mit den Neurologinnen, Neurologen und Neurochirurginnen und – chirurgen zusammen, die die Patientin kennen und begleiten – damit eine sichere und umfassende Versorgung gewährleistet ist.

Kaiserschnitt oder vaginale Geburt bei Arnold-Chiari I

Studien zeigen, dass bei Frauen mit bekannter, aber bislang nicht operierter Arnold-Chiari-Malformation Typ I häufig ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen wird.

Nach unserer Erfahrung mit Patientinnen mit Filum-Krankheit – insbesondere jenen mit Arnold-Chiari-Syndrom Typ I und Syringomyelie, die bereits mit unserer Filum System ® -Methode operiert wurden – empfehlen wir, vor jeder rückenmarksnahen Anästhesie die genaue Lage des Rückenmarksendes sorgfältig zu bestimmen.

Ziel ist es, die Peridural- oder Spinalanästhesie unterhalb dieses Punktes anzusetzen, um das Risiko einer Rückenmarkverletzung, eines Liquoraustritts (Austritt von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) und anderer möglicher Komplikationen zu minimieren.

Empfehlungen für Schwangerschaft und Geburt

Jede Schwangerschaft ist einzigartig und sollte individuell geplant werden. Für schwangere Patientinnen empfehlen wir:

  • Mit allen behandelnden Fachärztinnen und -ärzten sprechen
  • Aktiv den Austausch zwischen Gynäkologie, Anästhesiologie, Neurologie und Neurochirurgie fördern
  • Die eigene Krankengeschichte vollständig mitteilen – einschließlich aller neurochirurgischen Eingriffe und des aktuellen klinischen Zustands
  • Aktuelle Bildgebung bereitstellen wenn notwendig.

Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, Schwangerschaft und Geburt so sicher wie möglich für Mutter und Kind zu gestalten.

Quellen

  1. Neuraxial anaesthesia for the parturient with intracranial pathology. C. Warrick, W. Schievink and M. Zakowski. BJA Education, 25(1): 38–45 (2025).
  2. Pregnancy complicated by neurological and neurosurgical conditions – The evidence regarding mode of delivery. Adam Morton, Obstetric Medicine, 2022, Vol. 15(1): 11–18.
  3. Epidural Anesthesia for Cesarean Section for Parturient with Recently Diagnosed Asymptomatic Chiari Malformation Type I: A Case Report. Ashie Kapoor, MD, Jon Halling, MD. HCA Healthcare Journal of Medicine (2021) 2:6.
  4. Malformación de Chiari tipo I en una embarazada. Reporte de caso. Diana Marcela Hoyos-Guerrero, Rafael Leonardo Aragón-Mendoza, Michel Hernández-Restrepo, Erika Andrea Alba-Romero. Ginecol Obstet Mex 2023; 91(2): 133–139.
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