Der Welttag des Gehirns wird jedes Jahr am 22. Juli begangen. Er ist eine Initiative der World Federation of Neurology (WFN), die seit 2014 auf die Bedeutung des Gehirns, seine Funktionen, die Faktoren, die seine Gesundheit beeinflussen, sowie auf neurologische Erkrankungen aufmerksam macht, die seine normale Funktion beeinträchtigen können.
Unser Institut ist vor allem für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Hirnstamms, des Rückenmarks und der Wirbelsäule bekannt, darunter das Arnold- Chiari-Syndrom Typ I, die idiopathische Syringomyelie und die idiopathische Skoliose.
Anlässlich dieses Tages möchten wir auch darauf hinweisen, dass die Filum-Krankheit, die gemeinsame Ursache dieser Erkrankungen, das gesamte zentrale Nervensystem einschliesslich des Gehirns beeinflussen kann.
Wie wirkt sich die Filum-Krankheit auf das Gehirn aus?
Der krankhafte Zug, den das Filum Terminale auf das Nervensystem ausübt, kann Veränderungen verursachen, die sowohl die Struktur als auch die Funktion des Gehirns beeinträchtigen.
Deshalb leiden viele Menschen mit einer Filum-Krankheit unter neurologischen Symptomen, die ihren Ursprung im Gehirn haben oder sich auf das Gehirn auswirken.
Kopfschmerzen und Migräne bei Arnold-Chiari-Syndrom Typ I
Eines der häufigsten Symptome unserer Patientinnen und Patienten – insbesondere bei Personen mit einem Tiefstand der Kleinhirntonsillen im Zusammenhang mit dem Arnold-Chiari-Syndrom Typ I – sind Kopfschmerzen.
Typische Merkmale sind:
- Schmerzen im Hinterkopf, im Übergangsbereich zwischen Hinterkopf und Nacken oder im Stirnbereich.
- Einseitige Migräneanfälle mit Übelkeit und Erbrechen.
- Migräne mit oder ohne neurologische Aura.
Kopfschmerzen können ausserdem begleitet sein von:
- Schmerzen hinter den Augen.
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie).
- Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie).
- Verschwommenem Sehen.
- Tinnitus.
- Hörverlust.
- Sprachstörungen, beispielsweise Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder sie deutlich auszusprechen.
Die Kopfschmerzen können von leicht bis stark beeinträchtigend sein. Die einzelnen Episoden können einige Stunden bis zwei oder drei Tage andauern.
Bei manchen Betroffenen sprechen die Beschwerden auf Medikamente an. In anderen Fällen sind sie gegenüber herkömmlichen Behandlungen nur schwer beeinflussbar.
Auch die Häufigkeit ist unterschiedlich. Die Kopfschmerzen können einmal im Monat, einmal pro Woche oder alle zwei Wochen auftreten.
Schlafstörungen im Zusammenhang mit der Filum-Krankheit
Patientinnen und Patienten können ausserdem unter Schlafstörungen leiden, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Zu den häufigsten gehören:
- Einschlafstörungen.
- Durchschlafstörungen.
- Schlafapnoe.
- Hypersomnie, in einer geringeren Zahl von Fällen.
Ein erholsamer Schlaf ist entscheidend für die Gesundheit des Gehirns und eine normale geistige Leistungsfähigkeit.
Psychische Gesundheit, Gedächtnis und kognitive Funktionen
Verschiedene Studien und klinische Beobachtungen zeigen, dass die Filum-Krankheit – insbesondere in Verbindung mit dem Arnold-Chiari-Syndrom Typ I – neuropsychologische Funktionen beeinträchtigen kann.
Zu den beschriebenen Veränderungen gehören:
- Stimmungsstörungen.
- Kognitive Beeinträchtigungen.
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen.
- Gedächtnisprobleme, insbesondere des anterograden Gedächtnisses.
- Sprachstörungen.
Diese Symptome können den Alltag und die Selbstständigkeit der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Kraniozervikale Veränderungen im Zusammenhang mit der Filum-Krankheit
Es gibt ausserdem verschiedene anatomische Veränderungen an der Schädelbasis und am Übergang zwischen Schädel und Halswirbelsäule, die häufig mit dem Arnold-Chiari-Syndrom Typ I verbunden sind.
Diese Veränderungen können Ausdruck der Filum-Krankheit sein und entstehen durch den mechanischen Konflikt während der Entwicklung.
Dazu gehören:
- Basiläre Impression.
- Platybasie.
- Retroflexion des Dens axis.
Diese Veränderungen können zur Entstehung neurologischer Symptome beitragen und erfordern eine fachärztliche Beurteilung.
Warum Gehirngesundheit so wichtig ist
Das menschliche Gehirn ist das komplexeste Organ des Körpers und der wichtigste Bestandteil des zentralen Nervensystems.
Seine Milliarden von Nervenzellen steuern lebenswichtige Funktionen wie Bewegung, Gedächtnis, Sprache, Emotionen, Lernen und die Kontrolle der lebenswichtigen Organe.
Die Gesundheit des Gehirns sollte deshalb in jedem Lebensalter geschützt werden.
Folgende Massnahmen können dazu beitragen:
- Regelmässige körperliche Bewegung.
- Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung.
- Geistig aktiv bleiben.
- Ausreichend Schlaf.
- Stress möglichst reduzieren.
- Bei neurologischen Beschwerden regelmässige ärztliche Untersuchungen wahrnehmen.
Frühe Diagnose und spezialisierte Betreuung
Wenn anhaltende Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme, Sprachstörungen oder andere neurologische Symptome auftreten, sollte eine spezialisierte ärztliche Untersuchung erfolgen. Eine sorgfältige Abklärung ermöglicht eine genaue Diagnose und hilft dabei, die am besten geeignete Behandlung für jede einzelne Person festzulegen.
Das frühzeitige Erkennen der zugrunde liegenden Ursache ermöglicht eine individuell angepasste Therapie und kann die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern.
Am Welttag des Gehirns 2026 möchten wir daran erinnern, wie wichtig es ist, die Gesundheit unseres Gehirns zu verstehen, zu schützen und zu erhalten. Gleichzeitig möchten wir auf den möglichen Einfluss der Filum-Krankheit auf das gesamte zentrale Nervensystem aufmerksam machen.