Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Angstzustände und Depressionen als Begleiterkrankungen bei Menschen mit Arnold-Chiari-Syndrom Typ I auftreten können. Obwohl sie nicht als direkte Folge der Verlagerung der Kleinhirntonsillen nach unten angesehen werden, kommen sie häufig vor und sind klinisch relevant.
Zusammenhang zwischen Arnold-Chiari Typ I und emotionalen Belastungen
Aus physiologischer, motorischer und kognitiver Sicht stimmen verschiedene Autoren darin überein, dass der klinische Kontext des Syndroms die Entstehung von Angst- und Depressionssymptomen begünstigen kann. Faktoren wie diagnostische Unsicherheit, Verzögerungen bei der Behandlung und mangelndes Verständnis für die Erkrankung können eine erhebliche emotionale Belastung darstellen.
Diese emotionalen Reaktionen stehen häufig mit dem Gefühl in Zusammenhang, die Kontrolle über die eigene Gesundheit zu verlieren, sowie mit dem chronischen Charakter der Erkrankung.
In der klinischen Praxis werden Angstzustände und depressive Verstimmungen bei einem erheblichen Anteil der Patienten und Patientinnen beobachtet. Diese Symptome werden jedoch in der Regel nicht direkt der Erkrankung zugeschrieben. Häufiger stehen sie mit Begleitfaktoren in Verbindung, wie zum Beispiel:
- Anhaltenden chronischen Schmerzen
- Funktionellen Einschränkungen
- Auswirkungen der Erkrankung auf den Alltag und das Berufsleben
- Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Erkrankung
Filum-Krankheit und neuropsychologische Beeinträchtigungen
Im ätiopathogenetischen Rahmen der Filum-Krankheit (FK) beobachtet unser neurochirurgisches Team, dass Patienten und Patientinnen Veränderungen in verschiedenen psychologischen Bereichen aufweisen können. Diese Veränderungen können unabhängig davon auftreten, ob ein Tiefstand der Kleinhirntonsillen oder eine Syringomyelie isoliert vorliegen.
Diese psychologischen und neuropsychologischen Veränderungen können im Zusammenhang mit unterschiedlichen klinischen Kombinationen auftreten.
Nach unserer klinischen Erfahrung sind vor allem folgende Bereiche betroffen:
- Kognitive Funktionen (Aufmerksamkeit, Informationsverarbeitung und Gedächtnis)
- Stimmung
- Sexuelle Funktionen
Diese neuropsychologischen Beeinträchtigungen können die Lebensqualität erheblich beeinflussen, insbesondere wenn gleichzeitig chronische Schmerzen bestehen.
Es wurde eine wechselseitige Beziehung zwischen der kognitiven Verarbeitung und der Schmerzwahrnehmung beschrieben. Diese Wechselwirkung kann dazu beitragen, dass Beschwerden langfristig bestehen bleiben und mit Angstzuständen oder Depressionen verbunden sind.
Die emotionale Belastung durch eine chronische Erkrankung
Der chronische und möglicherweise fortschreitende Charakter des Arnold-Chiari-Syndroms Typ I und der Filum-Krankheit kann die Sorgen und Ängste der Betroffenen verstärken.
Die Wahrnehmung einer Verschlechterung der Symptome sowie reduzierte Erwartungen an die Zukunft können einen negativen Kreislauf entstehen lassen, der das emotionale Wohlbefinden und die psychische Anpassungsfähigkeit beeinträchtigt.
Die Bedeutung einer umfassenden Beurteilung
Wir halten es für wichtig, neuropsychologische Aspekte in folgende Bereiche einzubeziehen:
- Die Diagnose der Filum-Krankheit / des Neuro-Kranio-vertebralen Syndroms
- Die erste prognostische Beurteilung
- Die Bewertung der Ergebnisse nach einer chirurgischen Behandlung
- Die postoperative Nachsorge
Eine unvollständige Berücksichtigung dieser Faktoren kann die Interpretation der Ergebnisse und die Wirksamkeit der Behandlung negativ beeinflussen.
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